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Neue Stolpersteine in Lüneburg

Drei weitere Stolpersteine wurden von Gunter Demnig am 19. Mai 2010 verlegt.

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Stolpersteine

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Stolpersteine

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohn-, Arbeits- bzw. Lernort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen über 24.000 STOLPERSTEINE in Deutschland, ebenso in Österreich, Ungarn und in den Niederlanden (Stand 5/2010).

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig.

Damit die Opfer ein Gesicht und eine Stimme bekommen, damit die Täter sichtbar werden und erkennbar bleiben, damit die Erinnerung wach gehalten werden kann, das ist der Sinn der ganzen Aktion.

Stolpersteine in Lüneburg

Auf initiative von Lüneburger Bürgern hat Gunter Demnig bisher 26 "Stolpersteine" in Lüneburg verlegt. Die Steine sind mit einer Messingplatte versehen. Die Inschrift gibt Auskunft über Name, Geburtsjahr und das weitere Schicksal der Lüneburger Opfer des Naziregimes.

Die bisher in Lüneburger verlegten Stolpersteine befinden sich an den nachfolgend angegebenen Orten:

Schießgrabenstraße 3:

Hier erinnern drei Gedenksteine an die jüdische Familie Wolfsberg. Nachdem der Tierarzt Dr. Wolfsberg 1936 starb, floh seine Frau Grethe Wolfberg, geb.12.5.1877, mit den Söhnen Günther, geb. 22.7.1906, und Erich, geb. 12.10.1911, nach Holland. Sie wurden dort nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die beiden älteren Töchter Elfriede und Henriette konnten nach Argentinien emigrieren.

Haagestraße 2:

Hier wohnte die Jüdin Ruth Jacobsohn, geb. 17.2.1900, verheiratete Weinberger, mit ihren Kindern Michael Weinberger, geb.15.9.1931, und Maria Weinberger, geb.14.2.1936. Sie wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und dort am selben Tag ermordet. Die älteste Tochter Hannah wurde als 11-Jährige mit einem "Kindertransport" nach England geschickt und überlebte dadurch den Holocaust wie 10 000 andere jüdische Kinder.

Bardowicker Straße 12:

Hier wohnten die jüdischen Eheleute Behr-Baden. Sie waren Inhaber des damals bekannten Salamander-Schuhfachgeschäfts Behr in der Bardowicker Straße 12. Sally Baden, geb. 17.1.1885, und Lucie Behr-Baden, geb. 19.6.1887, wurde am 4.12.1941 über Hamburg nach Riga deportiert und umgebracht.

Rotehahnstraße 20 und Am Sande 15:

Dies sind die letzten privaten Adressen von Anna Friebe, geb. 1896 und Theodor Jenckel, geb. 1886. Sie wurden wie über 480 weitere Opfer der NS-Psychiatrie über die „Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg-Wienebüttel“ zu einer der sechs "T4-Anstalten", für Niedersachsen vor allem die Tötungsstätte Hadamar, deportiert und dort ermordet.

Am Wienebütteler Weg 1:

Vor dem ehemaligen Wasserturm der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg-Wienebüttel, der jetzigen Bildungs- und Gedenkstätte „Opfer der NS-Psychiatrie“, erinnern drei Steine an die Kinder Bernhard Filusch, geb. 1941, Edeltraud Wölki, geb. 1937 und Charlotte Regenthal, geb. 1939. Sie stehen stellvertretend für über 300 weitere Kinder, die während der NS-Zeit in der “Kinderfachabteilung” Lüneburg der Euthanasie zum Opfer fielen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Marcus-Heinemann-Straße 26

Hermann Niemann, geb. 8.12.1882, Sozialdemokrat, antifaschistischer Widerstandskämpfer. Er wohnte und arbeitete hier als Schuster. Am 17.5.1935 wurde er beim Verteilen illegaler Flugblätter verhaftet und ins Gerichtsgefängnis Lüneburg gebracht, womit sein von der Gestapo überwachtes Schicksal beginnt. Man verlegt ihn am 2.10.1935 nach Berlin und verurteilt ihn dort zu 2 Jahren Zuchthaus in Celle. Nach seiner Entlassung wurde er noch auf dem Lüneburger Bahnhof von der Gestapo erneut verhaftet und am 7.9.1939 als „Schutzhäftling“ ins KZ Sachsenhausen gebracht. Dort ist er am 3.3.1940 gestorben.

Obere Schrangenstraße 13

Else Horwitz, geb. Cohnheim, geb. am 9.1.1876, wohnte zuletzt in der Oberen Schrangenstraße 13 und hatte fünf Kinder. Sie wird am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet. Ihr Sohn Walter, geb.18.3.1909, wird von Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet. Alice überlebte in Lüneburg, Erna und Luci überlebten in der Emigration. Über Helmut liegen uns keine Informationen vor.

Große Bäckerstraße 23

Hulda Schickler, geb. Levie, geb. 1869, und Adolf Schickler, geb. 1867, wohnten mit ihren vier Kindern seit 1906 in Lüneburg. Die jüdischen Eheleute führten ein Fachgeschäft für Schuhe, Knaben- und Herrenbekleidung in der Bardowicker Straße 4 und wohnten auch dort. 1928 übergaben sie die Geschäftsführung an den ältesten Sohn Harry und zogen in die Schillerstr. 42. Am 1.10.1935 erfolgt der Umzug in die Große Bäckerstraße 23. Die Kinder emigrieren bis 1939 alle nach Amerika, das Geschäft wurde „verkauft“. Am 5.5.1943 werden die Eheleute über Hamburg nach Theresienstadt deportiert. Herr Schickler stirbt auf dem Transport, Frau Schickler etwa ein Jahr später an Unterernährung.

Am Ochsenmarkt 3

Dr. Hermann Reinmuth, Sozialdemokrat, antifaschistischer Widerstandskämpfer aus christlichem Humanismus, geb. 19.1.1902, arbeitet als Jurist im Regierungspräsidium Lüneburg, Am Ochsenmarkt 3, organisiert mit politischen Freunden Unterstützung für verfolgte Familien und Opposition gegen die Nazis, verweigert den Eid auf Hitler. Im Zusammenhang mit aus dem Ausland eingeführten sozialistischen Schriften wird er Ende Nov. 1934 verhaftet. Um andere zu schützen, nimmt er die Schuld auf sich und wird wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ am 23.11.35 vom Volksgerichtshof zu 7 Jahren Zuchthaus und 10 J. Ehrverlust verurteilt, Februar 42 KZ Sachsenhausen, „Schutzhäftling“ Nr.41107, dort am 26.4.42. ermordet.

Bei der St. Johanniskirche 21
(vor dem Schulhof der Johannes-Rabeler-Schule, neben der St. Johanniskirche)

Der Sinto Alois Reiminius, geb. am 2.3.1930 in Lichtenau, wohnte ab Januar 1938 mit seiner Familie auf dem „Wagenhalteplatz Mehrbachstrift“ und ab Januar 1942 in der Barackensiedlung Bardowicker Wasserweg 4. Von 1940 bis 1942 besuchte er die „Hilfsschule". Am 9.3.1943 wird er mit seiner Familie von Lüneburg über Hamburg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, Todesdatum: 27.8.1943.

Die Sintiza Franziska Reiminius, geb. am 24.5.1931 in Oschershausen, hatte den gleichen Lebenslauf wie ihr Bruder Alois. Sie besuchte die Katholische Volksschule Wallstraße 1 und von 1939 bis März 1943 die "Hilfsschule". Auch sie wird am 9.3.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, Todesdatum: am 3.1.1944.

Der Sinto Reinhold Rose, geb. 23.7.1929 in Blickstadt, wohnte ab 4.7.1934 mit seiner Familie auf dem „Wagenhalteplatz Mehlbachstrift“ und ab 30.6.1941 in der Barackensiedlung Bardowicker Wasserweg 4. Er besuchte ab Schuljahr 1938/39 die Heiligengeistschule (Volksschule I) und von 1940/41 bis März 1943 die „Hilfsschule“. Ebenfalls am 9.3.1943 wird er mit seiner Familie von Lüneburg über Hamburg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Weitere Informationen in Sibylle Bollgöhns Buch, „Jüdische Familien in Lüneburg“ Herausgeber: Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V.
„Die faschistische Verfolgung der Lüneburger Juden“, „Die Verfolgung der Lüneburger Sinti” und „Lüneburg 1933-Widerstand und Verfolgung“ Herausgeber: VVN-BdA Lüneburg


Spenden für die Verlegung von Stolpersteinen und die begleitende Öffentlichkeitsarbeit können Sie auf das Spendenkonto der Geschichtswerkstatt Lüneburg überweisen: Konto Nr. 63388, Sparkasse - Lüneburg BLZ 240 501 10, Stichwort: Stolpersteine.



Initiative „Stolpersteine in Lüneburg“


In Lüneburg sollen weitere Stolpersteine die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern verlegt werden. Die Initiative „Stolpersteine in Lüneburg“ hat die Koordination der weiteren Arbeit übernommen und trifft sich regelmäßig in der Heiligengeiststraße 28 im DGB-Haus. Gäste sind herzlich willkommen.

Termine: Mo. 01.11.2010, 19:00 Uhr


Kontakt:
info@stolpersteine-lueneburg.de



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