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Stolpersteine

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Stolpersteine

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohn- bzw. Arbeitsort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen über 20.000 STOLPERSTEINE in Deutschland, ebenso in Österreich, Ungarn und in den Niederlanden (Stand 8/2009).

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig.

Damit die Opfer ein Gesicht und eine Stimme bekommen, damit die Täter sichtbar werden und erkennbar bleiben, damit die Erinnerung wach gehalten werden kann, das ist der Sinn der ganzen Aktion.

Stolpersteine in Lüneburg

Auf initiative von Lüneburger Bürgern hat Gunter Demnig bisher 23 "Stolpersteine" in Lüneburg verlegt. Die Steine sind mit einer Messingplatte versehen. Die Inschrift gibt Auskunft über Name, Geburtsjahr und das weitere Schicksal der Lüneburger Opfer des Naziregimes.

Schießgrabenstraße 3:

Die ersten drei Stolpersteine wurden in Lüneburg in der Schießgrabenstraße im Gehweg eingelassen. Sie erinnern an die jüdische Familie Wolfsberg. Nachdem der Tierarzt Wolfsberg 1936 starb, floh seine Frau Grethe mit den Kindern Günther und Erich nach Holland. Sie wurden später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Haagestraße 2:

Hier wohnte Ruth Jacobsohn, verheiratete Weinberger mit ihren Kindern Michael Weinberger und Maria Weinberger. Sie wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Bardowicker Straße 12:

Diese Stolpersteine erinnern an das jüdische Ehepaar Baden. Sie waren Inhaber des damals bekannten Schuhgeschäfts Behr in der Bardowicker Straße 12, wo sie auch wohnten. Das Ehepaar Sally Baden und Lucie Behr-Baden wurde 1941/42 über Hamburg nach Riga deportiert und in Minsk ermordet.

Rotehahnstraße 20 und Am Sande 15:

Weitere Stolpersteine liegen vor der letzten privaten Adressen von zwei ermordeten Opfern der NS-Psychiatrie, die, wie über 480 andere, über die Anstalt Lüneburg zu einer der sieben "T4-Anstalten" deportiert worden waren. Viele Patienten aus Niedersachsen wurden in die Tötungsstätte Hadamar gebracht. Stolpersteine wurden verlegt in der Rotehahnstraße 20 für die Patientin Anna Friebe und Am Sande 15 für den Patienten Theodor Jenckel.

Am Wienebütteler Weg 1:

Vor dem ehemaligen Wasserturm des Landeskrankenhauses der jetzigen Bildungs- und Gedenkstätte „Opfer der NS-Psychiatrie“ erinnern drei Steine an die Kinder Bernhard Filusch, Edeltraud Wölki und Charlotte Regenthal. Sie stehen stellvertretend für 300 andere Kinder, die während der NS-Zeit in der Heil- und Pflegeanstalt am Wienebütteler Weg der Kinder-Euthanasie zum Opfer fielen. Weitere Informationen finden Sie hier

Marcus-Heinemann-Straße 26

Hermann Niemann, Sozialdemokrat, antifaschistischer Widerstandskämpfer, geb.8.12.1882, wohnt und arbeitet als Schuster in der Marcus-Heinemann-Str.26, ist Gründer der Freien Sportvereinigung LG, wird am 17.5.1935 beim Verteilen illegaler Flugblätter verhaftet ins Gerichtsgefängnis Lüneburg. Am 2.10.35 verlegt nach Berlin, am 8.10. dort zu 2 Jahren Zuchthaus in Celle und 3 J. Ehrverlust verurteilt, nach der Entlassung noch auf dem Lüneburger Bahnhof von der Gestapo erneut verhaftet. Am 7.9.39 als „Schutzhäftling“ Nr.2235 ins KZ Sachsenhausen, am 3.3.1940 dort gestorben.

Obere Schrangenstraße 13

Else Horwitz, geb. Cohnheim am 9.1.1876, wohnt zuletzt Obere Schrangenstraße 13, war verheiratet mit dem Viehhändler Sally Horwitz, der 1929 starb. Das jüdische Ehepaar hat 6 Kinder. Frau Horwitz wird am 19.7.42 nach Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet.
Einer der Söhne, Walter, wird von Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet, Alice überlebt in Lüneburg, Erna und Luci überlebten in der Emigration. Über Helmut liegen keine Informationen vor.

Große Bäckerstraße 23

Hulda Schickler, geb. Levie 1869 und Adolf Schickler, geb. 1867, seit 1906 in Lüneburg mit ihren vier Kindern. Die jüdischen Eheleute führen ein Fachgeschäft für Schuhe, Knaben- und Herrenbekleidung in der Bardowicker Straße 4 und wohnen auch dort. 1928 übergeben sie die Geschäftsführung an den ältesten Sohn und ziehen in die Schillerstr. 42. Am 1.10.35 ziehen sie in die Große Bäckerstr. 23. Die Kinder emigrieren bis 1939 alle nach Amerika, das Geschäft wurde „verkauft“. Am 5.5.43 werden beide über Hamburg nach Theresienstadt deportiert. Herr Schickler stirbt auf dem Transport, Frau Schickler etwa 1Jahr später an Unterernährung.

Am Ochsenmarkt 3

Dr. Hermann Reinmuth, Sozialdemokrat, antifaschistischer Widerstandskämpfer aus christlichem Humanismus, geb. 19.1.1902, arbeitet als Jurist im Regierungspräsidium Lüneburg, Am Ochsenmarkt 3, organisiert mit politischen Freunden Unterstützung für verfolgte Familien und Opposition gegen die Nazis, verweigert den Eid auf Hitler. Im Zusammenhang mit aus dem Ausland eingeführten sozialistischen Schriften wird er Ende Nov. 1934 verhaftet. Um andere zu schützen, nimmt er die Schuld auf sich und wird wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ am 23.11.35 vom Volksgerichtshof zu 7 Jahren Zuchthaus und 10 J. Ehrverlust verurteilt, Februar 42 KZ Sachsenhausen, „Schutzhäftling“ Nr.41107, dort gestorben 26.4.42.

Weitere Informationen in Sibylle Bollgöhn, „Jüdische Familien in Lüneburg“ Herausgeber: Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V.
„Die faschistische Verfolgung der Lüneburger Juden“ und „Lüneburg 1933-Widerstand und Verfolgung“ Herausgeber: VVN-BdA Lüneburg


Spenden für die Verlegung von Stolpersteinen und die begleitende Öffentlichkeitsarbeit können Sie auf das Spendenkonto der Geschichtswerkstatt Lüneburg überweisen: Konto Nr. 63388, Sparkasse - Lüneburg BLZ 240 501 10, Stichwort: Stolpersteine.



Initiative „Stolpersteine in Lüneburg“



In Lüneburg sollen weitere Stolpersteine die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern verlegt werden. Die Initiative „Stolpersteine in Lüneburg“ hat die Koordination der weiteren Arbeit übernommen und trifft sich regelmäßig in der Heiligengeiststraße 28 im DGB-Haus. Gäste sind herzlich willkommen.

Termine:
Mo. 8.2.2010, 19:00 Uhr

Kontakt:
info@stolpersteine-lueneburg.de



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